Home | Kontakt | Forum | Impressum
Landesfischereiverband Baden Württemberg e.V.
Die Groppe (Cottus gobio), auch Kaulkopf, Westgroppe, Koppe oder Mühlkoppe

 


Die Entstehung von Fischkrankheiten

Auslöser für Fischkrankheiten sind Krankheitserreger (Parasiten, Bakterien, Pilze und Viren), Mängel in der Ernährung und schädigende Verhältnisse im Lebensraum Wasser. Wenn schlechte Umweltbedingungen sich auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Immunabwehr der Fische negativ auswirken, bestimmen sie mit, ob beim Kontakt mit unterschiedlich aggressiven Krankheitserregern eine Krankheit ausbricht oder nicht. Schlechte Bedingungen im Lebensraum Wasser können den Stoffwechsel des Fisches so beeinträchtigen, dass er allein daran erkranken und verenden könnte.

Wichtige Krankheitsursachen, die in der Umwelt Wasser begründet sind:

o Sauerstoffmangel,

o extreme pH-Werte,

o Ammoniakeinwirkung und -ausscheidung an den Kiemen,

o Einwirkung von Nitrit, Schwefelwasserstoff, Methan,

o Gasübersättigung des Wassers,

o Einleitung von giftigen Stoffen aus Landwirtschaft und Gewerbe.

 

Wichtige Abwehrmechanismen, die im Zustand des Fischorganismus begründet sind:

o natürliche Resistenz und angeborene Resistenz

o Kondition, Konstitution und Leistungsfähigkeit der Immunabwehr

Die natürliche Resistenz besteht z.B. gegen Erreger die sich auf eine andere als die betroffene Fischart spezialisiert haben. Die angeborene Resistenz ist eine angeborene Widerstandsfähigkeit gegen Erreger, die andere Individuen derselben Art krank machen.

Die Kondition ist eine erworbene Eigenschaft des Körpers. Sie hängt eng zusammen mit der Ernährung und den Reserven des Körpers aber auch mit einer antrainierten Fähigkeit z.B. mit Stress umzugehen. Dagegen ist die Konstitution eine angeborene Eigenschaft von Organismen. Sie bestimmt auf genetischer Ebene die Fähigkeiten mit Stressfaktoren umzugehen. Die Leistungsfähigkeit der Immunabwehr bei Kontakt mit Krankheitserregern hänt von der Kondition und der Kostitution, sowie vom Alter der Fische und frühern Kontakten ab, ob gewollt (Impfung) oder zufällig entstanden. Der Immunstatus, sowie die angeborene Resistenz gegen bestimmte Krankheitserreger und die Agressivität (Virulenz) des Erregers beeinflussen die Mortalitätsrate im Krankheitsfall.

Stress und seine Auswirkungen

Über lange Zeit an­haltender Stress führt über die Ausschüttung der Hormone Cortisol und Adrenalin/Noradre­nalin zu einer Immun­suppression, also einer erhöhten Anfälligkeit ge­genüber Krankheitserre­gern.

Stress ist in der Fischhaltung nicht ganz vermeidbar. Artspezifische Wasserverhältnsse (Lebensräume), ausgewogene Fütterung und ausreichende Sauerstoffversorgung geben dem Fisch die Möglichkeit, solche Situationen erfolgreich und ohne Schaden zu überstehen.

  

 

Funktionstüchtigkeit der Kiemen

Die Unversehrtheit der Kiemen ist unter anderem abhängig von der Toleranz in Grenzbereichen von Wasserwerten, von einer ausgewogenen Ernährung und von bestimmten Krankheitserregern (Parasiten, Bakterien und Viren), welche die Kiemen direkt schädigen. Erkranken die Kiemen, ist neben der Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff ein Stau von Stoffwechselelendprodukten (v. a. Ammoniak und Kohlendioxid) die Folge. Der Körper leidet unter der geschädigtenFunktion derAtmung und Ausscheidung. Die Folgen, ob reversibel oder irreversibel, sind vom Schädigungsgrad abhängig. 

Kiemenfunktionen:

o  Atmung:
- Sauerstoffaufnahme

o  Ausscheidung:
- Kohlendioxidabgabe
- Ammoniakabgabe

 

Kiemenfunktionen (verändert nach BUTCHER 1992)

 

 

 

Die Zusammenhänge beim Sommerproblem Algenblüte und die Auswirkungen auf die Kiemen – ein Beispiel aus der Praxis

Ammoniak: ist ein Ausscheidungsprodukt aus dem Eiweißstoffwechsel der Fische. Ca. 80-90% werden über die Kiemen ins Wasser abgegeben, der Rest über die Nieren. Ammoniak, NH3 folgt osmotisch dem Konzentrationsgefälle. Ammonium,  NH4+ wird gegen Na+-Ionen ausgetauscht und nimmt zusätzlich auch den Weg über Osmose wie NH3. Ammonium und Ammoniak gelangen aber auch  aus der Landwirtschaft und aus häuslichen Abwässern als Schadstoffe in Fischgewässer. Nach bakteriellen Abbau im Wasser werden beide zu Dünger und bewirken u.a. auch eine Algenblüte. Bei der Algenblüte steigt durch den Verbrauch von Kohlensäure während des Tages der pH-Wert des Wassers in den basischen Bereich. Weil mit steigendem pH-Wert immer mehr Ammonium (NH4+) im Wasser zu Ammoniak (. NH3) dissoziiert und dann evt. kein osmotisches Gefälle vom Fischblut ins Wasser besteht, wird die Ammoniakausscheidung über die Kiemen behindert der gar unterbunden. Es kommt zu einem Ammoniakstau im Fischblut. Vergiftungserscheinungen mit Kiemennekrose (irreversibler Untergang von Kiemengewebe) sind die Folgen. Der Fisch verliert den Appetit und zeigt Symptome eines chronischen Sauerstoffmangels durch die Behinderung der Atmung (Kiemenentzündung / Kiemennekrose). Der Algenblüte wegen kommen solche Kiemenschäden überwiegend im Sommer vor.