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Bezirk Nordwürttemberg
von Maintauber bis nach Böblingen.

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Lage

Der Bezirk Nordwürttemberg liegt im Nordosten Baden-Württembergs, umfasst 2 Stadt- sowie 11 Landkreise, und reicht von Maintauber bis nach Böblingen.

Mitglieder

Aus Nordwürttemberg sind 205 Fischereivereine Mitglied im LFVBW.

Ansprechpartner

Ihre Ansprechpartner finden Sie in der Adressliste des Bezirskvorstandes Nordwürttemberg.

Bezirksvorstand Nordwürttemberg

Dominik Geray

Bei der Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Stuttgart hat inzwischen auch der derzeit überall festzustellende Generationswechsel stattgefunden. Mit der Verstärkung des Teams durch Fabian Schwarz ist dieses seit ca. 1 Jahr endlich komplett. Zeit, einmal nachzufragen, wie diese junge Generation von Fischereiwissenschaftlern sich ihre Arbeit vorstellt und wie Sie die Zusammenarbeit mit dem LFVBW sehen.

Als wichtige Schnittstelle zwischen den fischereilichen Vorschriften und deren Ausübung durch die Angler fungieren die Fischereibehörden in den Regierungspräsidien als Bindeglied zwischen Gesetzestheorie und deren Umsetzung in der fischereilichen Praxis und sind auch für den LFVBW in vielen Belangen erster Ansprechpartner.

Herr Geray , Sie sind jetzt als Nachfolger von Dr. Rainald Hoffmann seit über einem Jahr im Amt. Wie haben Sie sich in Ihre neue Position als verantwortlicher Fischereireferent des Regierungspräsidiums Stuttgart eingelebt? Gab es hier schon Höhen und Tiefen?

Da ich als Fischereifachberater bereits über fünf Jahre im Zweier-Team mit Dr. Hoffmann zusammengearbeitet hatte, waren mir die meisten Sachverhalte und Aufgaben, die da auf mich zukamen, ja nicht unbekannt. Nichtsdestotrotz war es auch aufgrund des kompletten Umbruchs der Fischereibehörde Stuttgart (samt endlich erreichten Stellenzuwachses) kein leichter Übergang, der mich sowohl in meiner neuen Position als auch zeitlich sehr stark forderte. Hier war ich über die Unterstützung durch das Referat und die Abteilung froh. Mittlerweile hat sich die Situation aber beruhigt, die Kollegen sind gut eingearbeitet und wir haben uns in unserem neuen Dreier-Team gut arrangiert. Höhen und Tiefen gibt es natürlich immer wieder, mit unserem neuen Team meistern wir die Tiefen jedoch bisher problemlos und die Höhen überwiegen. Durch unsere auch persönlich, freundschaftlich gute Beziehung ziehen wir stets an einem Strang und sind mittlerweile zu einer schlagkräftigen und motivierten kleinen Truppe zusammengewachsen.

Das Team der Fischereibehörde hat sich gravierend verjüngt – mit Felix Hertenberger und Fabian Schwarz stehen Ihnen 2 junge, motivierte Kollegen unterstützend zur Seite. Was haben die Beiden für eine Ausbildung und worin liegen deren Aufgabenschwerpunkte im Amt?

Fabian Schwarz: Ich habe einen Bachelorabschluss in Umweltsicherung (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) sowie einen Master in Hydrobiologie (TU Dresden). Der Masterstudiengang ist schon ziemlich spezialisiert und ich bin dementsprechend froh, einen gut passenden Job gefunden zu haben.

Felix Hertenberger: Ich habe im Bachelor und Master Agrarbiologie an der Universität Hohenheim studiert. In der Vertiefungsrichtung Landschaftsökologie hatte ich die Möglichkeit sämtliche Vorlesungen und Exkursionen, die zu gewässerkundlichen und fischereilichen Themen angeboten wurden, zu besuchen. Anschließend war ich zwei Jahre als Bildungsreferent bei den Junggärtnern Baden-Württemberg e.V. beschäftigt, bevor ich im Juni 2018 dann in die Fischereibehörde kam.

Dominik Geray: Die Aufgaben bei uns sind vielfältig und eine strikte Aufgabentrennung gibt es kaum. Das wäre bei einem „Dreimannbetrieb“ schlichtweg auch nicht möglich. Viel Zeit investieren wir sicherlich in die Erstellung fischereifachlicher Stellungnahmen als Träger öffentlicher Belange (TÖB). Eine „untere Fischereibehörde“ an den Landratsämtern gibt es nicht, daher nehmen wir zugleich die Aufgaben der unteren und der mittleren Verwaltungsebene wahr. Neben den Stellungnahmen als TÖBs gehören z. B. die Kontrolle von Fischereipachtverträgen, das Ausstellen von Ausnahmeerlaubnissen, die Umsetzung des Baden-Württembergischen Fischereigesetzes oder die fachliche Begleitung von Maßnahmen zur Verbesserung von Fischlebensräumen und der Fischfauna, zu unseren Aufgaben. Zudem sind wir Ansprechpartner in jeglichen fischereifachlichen und fischereirechtlichen Fragestellungen und Teil zahlreicher Arbeitsgruppen. Da gehört es auch zum täglichen Geschäft, die Gewässer im Regierungsbezirk Stuttgart zu besuchen und z. B. im Rahmen von Wasserrechtsverfahren zu Wasserkraftanlagen oder Revitalisierungen, beratend tätig zu werden. Stets stehen uns natürlich unsere ehrenamtlichen Fischereiaufseher zuverlässig zur Seite, sozusagen als Mitstreiter in der Fläche, und wir können jederzeit mit der fachlichen aber auch tatkräftigen Unterstützung der Fischereiforschungsstelle Langenargen (FFS) rechnen.

Als Fischereiverband interessieren uns natürlich besonders Ihre persönlichen Beziehungen zum Fisch und zur Angelfischerei. Wie haben Sie Ihre Karrieren als Angler begonnen und wie verliefen diese bis heute? Sind Sie aktive Mitglieder in Fischervereinen?

Fabian Schwarz: Im Vergleich zu meinen beiden Kollegen bin ich ziemlich spät zur Angelfischerei gekommen. Als Kind habe ich mich zwar schon für quasi alle Tiere begeistern können und habe beim Keschern in Weihern oder Bächen auch den einen oder anderen Kleinfisch gefangen. Allerdings habe ich meinen Fischereischein erst gemacht, als ich wusste, dass ich im Bereich der Gewässerökologie arbeiten möchte. Das war im Jahr 2015 zusammen mit ein paar anderen aus meinem Bachelorstudium. Während des Studiums gab es auch immer wieder Berührungspunkte zu Fischen, sei es beim Abfischen des Altmühlsees im Zuge von Biomanipulationsmaßnahmen, bei der Suche nach Edelkrebsen für ein Projekt, bei den üblichen Bestimmungskursen oder der genetischen Untersuchung von Barben im Labor. Dennoch habe ich seit meinem Start beim Regierungspräsidium im Februar 2019 durch die tägliche Arbeit noch sehr viel Neues über unsere einheimischen Fische und diverse Probleme und Zusammenhänge gelernt.

Felix Hertenberger: Wie auch meine Kollegen faszinierte mich Wasser und Gewässer bereits als kleines Kind in jeglicher Hinsicht. Nachdem ich früh schwimmen gelernt hatte, schnorchelte ich im Urlaub im Bodensee umher. Was es unter Wasser alles zu entdecken gab, faszinierte mich unheimlich. Zu Hause ging das dann weiter, jeder noch so kleine Tümpel und Bach in meiner Umgebung wurde erkundet. Oft waren das fischfreie (Kleinst-)Gewässer, die jedoch von der Gelbrandkäferlarve, über die Kaulquappen der Erdkröte bis hin zum Bergmolch allerhand zu bieten hatten. Befeuert wurde mein Interesse durch meinen Großvater, der mir Geschichten aus der Nachkriegszeit vom Forellenfang mit Karbid oder Groppenfang mit verrußten Blechbüchsen erzählte. Glücklicherweise war die Karbidlampe schon lange durch weniger gefährliche Strommodelle ersetzt worden, sodass ich (zum Glück) keine Gelegenheit hatte das auszuprobieren. Andere Methoden (Handfang) probierte ich natürlich trotzdem aus. Ein Schulfreund nahm mich mit elf Jahren zum ersten Mal an einen kleinen Forellenteich mit. Voller Stolz über meinen ersten Fang (drei Regenbogenforellen) war klar, dass ich mir zu meinem nächsten Geburtstag eine Angelausrüstung wünschte und auch erhielt. Mit zwölf Jahren legte ich die Fischereischeinprüfung ab.  Mit 14 trat ich in den örtlichen Angelverein ein, in dem ich bis heute Mitglied bin. Fortan gab ich das beim Zeitungsaustragen verdiente Geld zu 90 Prozent für Angelausrüstung aus. Dabei probierte ich sämtliche Angelmethoden aus und schaffte mir entsprechendes Angelgerät an (Jäger und Sammler). Anfangs konzentrierte sich meine Fischerei auf das Grundangeln mit Mais und Wurm, dabei lernte ich die Brachse als durchaus guten Speisefisch und dankbaren Angelfisch zu schätzen (vor der Grundelinvasion im Neckar). Einige Jahre war ich dann fast ausschließlich als Spinnfischer unterwegs und entdeckte anschließend die feine Fischerei auf Friedfische mit Winklepicker und Matchrute für mich. Heute würde ich mich als Allroundangler bezeichnen: "Kann alles, aber nichts richtig". Seit 14 Jahren bin ich Pächter eines kleinen Waldweihers. Meine Lieblingsfische sind der Flußbarsch und die Schleie. Leider kommt die Fischerei neben weiteren Hobbies (Garten, Sportverein …) viel zu kurz. Um so dankbarer bin ich, dass ich wenigstens beruflich einige Tage am Wasser bin, wenn auch ohne Angelrute.

Dominik Geray: Ich war schon als Kind vollkommen fasziniert von Wasser und Wasserlebewesen, hauptsächlich von Fischen. Schon weit vor Vollendung meines zehnten Lebensjahres war ich mit dem Kescher unterwegs und hatte eine effektive Methode entwickelt kleine Forellen aus Brutbächen zu fangen und in meinen eigenen Weiher zu setzen. Ich bin froh, dass ich dabei nie erwischt wurde, sonst hätte mich mein heutiger Verein wohl nicht aufgenommen ;-). Mit zehn habe ich dann den Fischereischein gemacht und bin mit zwölf, als ich endlich durfte, in meinen heutigen Verein eingetreten. Dieser bot eine hervorragende und vielfältige Jugendarbeit an und so musste mich meine Mutter fortan oft, und für alles was ich nicht mit dem Fahrrad bewältigen konnte, zu den Gewässern der Umgebung fahren. Während meines Bachelorstudiums der Biologie in Konstanz litt meine Freizeitfischerei ein wenig, da ich mich mehr für die Fischerei an Fließgewässern begeistern kann als an stehenden Gewässern. Im Rahmen meines Masterstudiums des Internationalen Naturschutzes hatte ich dann die Möglichkeit ausgiebig in den naturbelassenen Flüssen Neuseelands und Patagoniens zu fischen. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland war ich vorerst wenig motiviert wieder in unseren sehr anthropogen überprägten Gewässern zu fischen, bin nun aber seit einiger Zeit wieder recht aktiver Freizeitfischer an einem kleineren Bach.

Die Fischbestände haben nach unseren Erfahrungen in den letzten 20 Jahren deutlich abgenommen und sich auch in ihrer Zusammensetzung verändert. Welches sind kurz gefasst die wichtigsten Gründe dafür?

Unsere Fischbestände leiden sicherlich sehr unter den anthropogenen Nutzungen und Einflüssen der Gegenwart und der Vergangenheit. Der starke Ausbau unserer Gewässer mit oftmals bis heute nicht fischdurchgängigen Querbauwerken und großen Staubereichen, verändert(e) die natürlicherweise vorkommende Fischfauna nachhaltig. In solchen von Staubereichen geprägten Hybridgewässern fehlen, vor allem für anspruchsvolle Fließwasserfischarten, oft die notwendigen Wohn- und Fortpflanzungshabitate oder diese können von den Fischen nicht in ausreichendem Maße erreicht und genutzt werden. Somit verschiebt sich die Fischartenzusammensetzung von den strömungsliebenden Flussarten wie Äsche, Barbe oder Nase mehr in Richtung der indifferenten und anspruchsloseren Stillwasserarten die eigentlich einer Fischregion zugehörig sind, die deutlich weiter flussabwärts liegt. Zum anderen gibt es jedoch auch eine Vielzahl anderer Probleme für unsere Fische. Hierzu zählen beispielsweise ein verstärkter Prädationsdruck durch fischfressende Vögel, invasive Arten wie die pontokaspischen Grundelarten die einheimische Arten verdrängen oder immer aktueller werdend, die Temperaturzunahme unserer Gewässer bedingt durch den Klimawandel, worunter vor allem kälteliebende Arten wie die Bachforelle oder die Äsche leiden. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der Umstand, dass der Nährstoffgehalt unserer Gewässer in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen hat, was vor allem Auswirkungen auf die Ertragsfähigkeit aber auch die Artenzusammensetzung hat.

Wie könnte die Fischerei hier gegensteuern?

Aufgrund der großen Fülle an Faktoren, die für den Rückgang und die Veränderung unserer Fischbestände verantwortlich sind, ist es schwierig hier konkrete Handlungsvorschläge zu geben, zumal auch oft (wasser-)rechtliche Bestimmungen beachtet und eingehalten werden müssen. Ein Allheilmittel gibt es also nicht. In jedem Fall sind jedoch Angler wichtige Elemente im aquatischen Natur- und Artenschutz. Angler sind viel an ihren Gewässern unterwegs und kennen diese in der Regel sehr gut. Sie sind die ersten die Veränderungen bzw. deren Auswirkungen an den Gewässern feststellen und Probleme ortsabhängig erkennen können. Durch die Vorortkenntnisse an den Gewässern und deren Umgebung sind sie außerdem ein wichtiges Informationsmedium in der Fläche, um Bürger und Gemeinden für die Probleme an unseren Gewässern zu sensibilisieren. Auch wir als Fischereibehörde sind angewiesen auf die speziellen Kenntnisse der ortskundigen Fischer und eine gute sowie produktive Zusammenarbeit mit ihnen. Eine gemeinsame Lösungsfindung zwischen Fischern, Gemeinden und Behörden zur Erstellung von sinnvollen und nachhaltig wirksamen Hegemaßnahmen halten wir für essentiell, denn klar ist, dass Fische nur da leben können, wo passende Lebensräume für diese existieren. Oft können hier schon kleinere ökologische Maßnahmen große Wirkung zeigen.

Reichen die vorhandenen gesetzlichen Instrumente aus, um die Ziele der WRRL auch tatsächlich zeitnah umzusetzen? Wir haben als Verband eher den Eindruck, dass dies nur sehr schleppend geschieht und die Fischerei hier gegenüber anderen Belangen – z.B. der "ökologischen" Wasserkraftnutzung – nach wie vor in's Hintertreffen gerät. Werden wir den "guten ökologischen Zustand" unserer Gewässer jemals erreichen?

Selbstverständlich ist das Erreichen des “guten ökologischen Zustandes“ nach EU-WRRL alles andere als ein leichtes Unterfangen. Wie oben bereits erwähnt, stehen die Gewässer in unserer Kulturlandschaft unter einem enormen Nutzungsdruck. Durch den flächendeckenden, teils massiven Ausbau unserer Gewässer und unsere hohe Bevölkerungsdichte, können wir die Gewässer nicht einfach wieder in einen natürlichen Zustand zurückversetzen. Hier sind viele verschiedene Interessenvertreter und Restriktionen in die Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Solche Entscheidungsprozesse bzw. Kompromissfindungen können zuweilen langwierig und unbefriedigend sein, sind jedoch notwendig und wichtig. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir in Baden-Württemberg auf einem guten Weg sind. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde der Gewässerökologie mehr Einzug in die Köpfe gewährt. Die Zusammenarbeit mit den Wasser- und Naturschutzbehörden unseres Hauses, der Landratsämter und den Ministerien ist zielorientiert und fruchtbar. Dies stimmt uns zuversichtlich und zeigt sich auch immer wieder in der Umsetzung von gewässerökologischen Maßnahmen und Wasserrechtverfahren, die zuvor nie möglich gewesen wären. Neben dem gesetzlich vorgegebenen wasserrechtlichen Vollzug zur Umsetzung von Maßnahmen zur Zielerreichung des “guten ökologischen Zustandes“ gibt es noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten Verbesserungen für die Gewässer herbeizuführen. Mit der vor einiger Zeit ins Leben gerufenen "Landesstudie Gewässerökologie" existiert nun zum Beispiel ein Instrument, mit dem gezielt strukturelle Defizite an Gewässern identifiziert werden können und die Voraussetzungen zur Erreichung des guten ökologischen Zustands durch die Herstellung von funktionsfähigen Fischökotopen (räumlich zusammenhängender Verbund von Habitaten die eine Fischart in ihrem Lebenszyklus benötigt) flächendeckend geschaffen werden sollen.

Der Klimawandel ist heute in aller Munde. Die trockenheißen Sommer 2018 und teilweise auch 2019 haben zum Trockenfallen einzelner Gewässer und zu Fischsterben geführt. Was kommt da auf uns Angler zu? Müssen wir uns auf ganz andere, neue Fischzönosen einstellen?

Der Klimawandel ist tatsächlich ein Thema, mit dem sich die Fischerei zunehmend ernsthaft beschäftigen muss. In den Jahren 2014-2019 wurde an der FFS das Projekt „Fischökologische Auswirkungen des Klimawandels in den Fließgewässern Baden-Württembergs“ durchgeführt. Modellierungen zeigen, dass sich die Fischzönosen teilweise stark verändern werden. Kälteliebende Arten, die auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind, werden Lebensraum verlieren und durch wärmeresistentere Arten verdrängt werden. Die Prognosen für unsere einheimische Bachforelle schauen, auch vor dem Hintergrund des temperaturabhängigen Krankheitsverlaufs der PKD (proliferative kidney disease), nicht allzu gut aus. Auf der anderen Seite gibt es Arten, die enorm von diesen klimabedingten Veränderungen profitieren werden. Gebietsfremde Arten wie die Schwarzmundgrundel, aber auch der Waller breiten sich ja bereits jetzt schon stark aus. Es wird in Zukunft sehr wichtig sein, Gewässer resilienter gegen klimatische Einflüsse zu machen. So sind Maßnahmen an den Gewässern entsprechend so zu planen, dass deren Erwärmung möglichst wirkungsvoll verhindert wird und Refugien geschaffen werden, in denen Fische kritische Situationen mit besonders wenig Wasser oder besonders hohen Temperaturen überleben können.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Einstellung vieler Angler zur Fischerei gewandelt. Heute wird eine Übertragung des im Ausland legal praktizierten "catch & release" von vielen Anglern als eine auch hier mögliche Option gefordert. Wie ist Ihre Meinung dazu?

"Catch & release" ist ein viel und kontrovers diskutiertes Thema. Zum einen ist die Freizeitfischerei natürlich ein in vielen Varianten ausgeübtes Hobby, andererseits geht es hier um das lebende Tier und die Vermeidung ungerechtfertigten Leides an diesem. Laut dem Tierschutzgesetz §1 S.2 darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Als vernünftiger Grund ist etwa der Nahrungserwerb schlechthin anerkannt. Somit ist die allgemein anerkannte Legitimation die Angelfischerei auszuüben, der Nahrungserwerb und damit die Entnahme und sinnvolle Verwertung des gefangenen Fisches. In diesem Zusammenhang muss festgehalten werden, dass das sogenannte „Trophäenfischen“, also das Fangen eines Fisches allein aus dem Grund der Begeisterung daran, das Wiegen, Positionieren und Fotografieren des lebenden Fisches, zweifellos ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Wir drei essen alle gerne Fisch und ein selbst gefangener Fisch ist für uns eines der hochwertigsten Lebensmittel, die wir uns vorstellen können. Dabei ist uns das Bewusstsein ein Lebewesen auf dem Teller zu haben wichtig. Waidgerechtigkeit ist für uns daher ein hohes Gut, weshalb wir nur gezielt auf Fische angeln, die wir auch entnehmen wollen. Sicherlich gäbe es manchmal auch ökologisch vernünftige Gründe, einen Fisch der nach dem Gesetz entnommen werden muss, zurückzusetzen. In der Schweiz wird dem einzelnen Angelfischer in diesem Punkt ein wenig mehr Verantwortung übertragen. Hier darf der Angelfischer „…basierend auf individueller Entscheidung und basierend auf ökologischen Überlegungen…“ gelegentlich auch Fische zurücksetzen, die die Bedingungen der Entnahme erfüllen. Vorausgesetzt wird „...dass Angelfischer/-innen […] in guter Absicht handeln und ihrer Eigenverantwortung in Bezug auf einen respektvollen Umgang mit den Fischen nachkommen“. Auch in der Schweiz verbietet das Gesetz eine „…systematische und organisierte catch & release-Fischerei“, somit ist auch hier „Das Angeln mit der Absicht, die Fische wieder freizulassen, [ist] grundsätzlich verboten.“. Eigenverantwortlichere Regelungen wie die gerade vorgestellte, würden in vielen Fällen sicherlich auch in Baden-Württemberg  Sinn machen, jedoch bekämen auch damit die „Carphunter“ und andere Trophäenfischer nicht das, wonach sie verlangen.

Ein weiteres, in Verbandskreisen heiß diskutiertes und unendliches Thema ist der Kormoran. Im Nachgang zum Jagstunglück von 2015 wird in einer Arbeitsgruppe nach Lösungen zur Vergrämung in den dortigen Schutzgebieten gesucht. Wie beurteilen Sie die Chancen, dort gewonnene Erkenntnisse auch auf andere Schutzgebiete zu übertragen?

 Richtig, im Nachgang zum Jagstunglück 2015 erkannte man, dass es wichtig ist die sich im Aufbau befindliche Fischfauna im geschädigten Bereich durch eine Vielzahl von Maßnahmen zu unterstützen. Eine dieser Maßnahmen bestand in der Reduktion des Fraßdrucks durch den Kormoran. Durch den Wunsch aller Beteiligten, eine möglichst effektive und doch naturverträgliche Vergrämung der Kormorane zu erreichen, fand sich die von Ihnen erwähnte Arbeitsgruppe zusammen. Die stets fachlich-praktisch orientierte und an den Erfahrungen der AG-Mitglieder ausgerichtete Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Thema war der Grundstock für eine mittlerweile sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit der verschiedenen Interessenvertreter. Man orientierte sich an einem Pilotprojekt der Bayern, bei dem die Vergrämung zeitlich koordiniert und geballt stattfindet. Erste Erkenntnisse in Bayern zeigten diesbezüglich eine gute Vergrämungswirkung auf die Kormorane und eine geringe Beeinträchtigung anderer Arten. Nach diesem Modell wird nun die dritte Wintersaison auch an der Jagst vergrämt. Durch die Neubildung von Kormoranschlafplätzen außerhalb des Geltungsbereichs der 2016 ausgestellten Ausnahmegenehmigung zur letalen Vergrämung von Kormoranen an der Jagst, wurde die Notwendigkeit klar, weitere Vergrämungserlaubnisse für einzelne, außerhalb des Geltungsbereichs gelegene Gebiete nahe Crailsheim und Diembot zu erteilen. Dies wird im Rahmen des laufenden konzertierten Projekts, abhängig von den jeweils aktuellen Schlafbereichen, vor der jeweiligen Vergrämungssaison getan. Aufgrund der scheinbar zunehmend höheren Nutzung von Schlafbereichen in Schutzgebieten, in denen nicht vergrämt werden durfte, wurde im Winter 2019/20 versuchsweise in der Pufferzone „Ailringen“, sowie im Naturschutzgebiet Nr. 1246 – “Jagsttal mit Seitentälern zwischen Crailsheim und Kirchberg“ im Bereich von Neidenfels zusätzlich vergrämt. Bisher können noch keine abschließenden Rückschlüsse auf eine möglichst nachhaltige Vergrämungswirkung gemacht werden, zumal die örtlichen Begebenheiten jeweils sehr spezifisch sind. Daher ist eine Prognose zur Übertragung der Erkenntnisse auf andere Schutzgebiete zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Grundsätzlich muss jedoch klar sein, dass zur letalen Vergrämung in Naturschutzgebieten eine artenschutzrechtliche Ausnahme nach § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 BNatSchG sowie eine Befreiung von Verboten der NSG-VO nach § 67 Abs. 1  Satz 1 BNatSchG notwendig ist.

Zum Schluß: Welche Erwartungen haben Sie an die Zusammenarbeit mit dem LFVBW?

 Wie in der Vergangenheit arbeiten wir auch in der Gegenwart stets gerne und eng mit dem LFVBW zusammen. Selbstverständlich gibt es Themen, bei denen sich die organisierte (Angel-)Fischerei und die Fischereiverwaltung nicht immer einig sind, vielleicht auch nicht einig sein können. Jedoch herrscht auch diesbezüglich stets ein respektvoller und konstruktiver Umgang miteinander. Wir würden uns wünschen, dass dieser gute gegenseitige Umgang erhalten bleibt, bzw. an der einen oder anderen Stelle die Zusammenarbeit noch intensiviert wird, um auch weiterhin effektiv und schlagkräftig auf gemeinsame Ziele zur Erhaltung und Förderung unserer aquatischen Fauna und Flora hinzuarbeiten.

Vielen Dank für dieses offene, informative Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Das Interview führte Achim Megerle,

Kreisvorsitzender Hohenlohekreis des LFVBW.